Kunststadt

Alessandria, Asti, Biella, Cuneo, Novara, Vercelli und Verbania: die Liste der piemontesischen Kunststädte voller Charme ist lang. Jede hat ihre eigene Geschichte und ihre Besonderheiten, die man bei einem Stadtrundgang, einem Museumsbesuch oder einfach beim Bewundern der Skyline bei Sonnenuntergang entdecken kann.

 

Alessandria, die Hauptstadt des Basso Monferrato

Barocke Gebäude, spektakuläre Plätze, Arkaden, Straßen und Geschäfte sorgen in Alessandria für ein typisch piemontesisches Ambiente, im Herzen eines Gebietes, das in seiner Kunst, seinen Dialekten und seiner Küche bereits schon die Luft von Ligurien atmet. Am linken Ufer des Tanaro ist die Cittadella das Wahrzeichen der Stadt. Die riesige sechseckige Festung wurde 1733-45 von dem Hofingenieur Giuseppe Bertola für die Familie Savoyen entworfen und gebaut und ist ein monumentales Meisterwerk der Militärarchitektur, das in Europa einzigartig ist. Auf der Piazza della Libertà stehen der Palazzo Municipale (bekannt als „Palazzo Rosso“) aus dem 18. Jahrhundert, der barocke Palazzo Ghilini (derzeit Sitz der Präfektur und der Provinz) und der Palazzo delle Poste e Telegrafi, an dessen Fassade ein Mosaik des futuristischen Künstlers Gino Severini zu sehen ist. In der Kathedrale, die den Heiligen Petrus und Markus gewidmet ist, befinden sich die Statuen der Schutzheiligen der 24 Städte des Langobardenbundes, während die Kirche Santa Maria di Castello in ihrer mittelalterlichen Bauform im Stil der Gotik-Renaissance hübsch anzusehen ist. Im Stadtmuseum (zusammen mit der Pinakothek im Komplex San Francesco) befindet sich die Serie von 15 Fresken, die von den Heldentaten von König Artus und den Rittern der Tafelrunde inspiriert sind und zu den ältesten Beispielen des „Lanzaloti-Saals“ gehören, die bis heute erhalten sind. Mehr erfahren auf www.alexala.it

 

Asti, Palio und Spumante

Zwischen dem Fluss Tanaro und dem Bach Bòrbore liegt die antike römische Kolonie Hasta Pompeia, das heutige Asti, die Stadt des Palio, des spektakulären mittelalterlichen Festes, das jedes Jahr in der ersten Septemberhälfte stattfindet. Das beneidenswerte künstlerische Erbe reicht von der Romanik bis zum Barock, mit dem eleganten Profil von Sakralbauten und Adelspalästen, wie Palazzo Mazzetti, Sitz der Pinacoteca Civica und Ausstellungszentrum, Palazzo Ottolenghi, (Sitz des Museo del Risorgimento) und Palazzo Alfieri, Geburtshaus des Grafen und Künstlers Vittorio Alfieri. Gleich außerhalb der Stadt entfaltet sich die faszinierende Landschaft der UNESCO-Weinhügel des Monferrato Astigiano, während das nahe gelegene Canelli von den „Unterirdischen Kathedralen“ geprägt ist, historischen Kellern, die im 16. und 19. Jahrhundert in den Kalktuff gegraben wurden und in denen edle Weine und Sekte lagern, die Tische in aller Welt bereichern. Mehr erfahren auf www.visitlmr.it

 

Biella, das „Manchester Italiens“ Unesco Kreativstadt

Der Adel der Textiltradition, die Natur und die zeitgenössische Kunst sind die offensichtlichsten Merkmale von Biella und des Umlands. Eingebettet in die grüne Pracht der Zegna-Oase und des Burcina-Parks ist die Stadt auch das Herz des Viertels, das Camillo Benso Conte di Cavour das „italienische Manchester“ nannte und das auf das 18. Jahrhundert zurückgeht: Ein kulturelles und immaterielles Kulturwissen, das eifersüchtig gehütet und gepflegt wird und dank dem Biella im Jahr 2019 in den Kreis der UNESCO Kreativstädte in der Kategorie „Crafts & Folk Art“, Handwerk und Volkskunst, aufgenommen wurde. In der Cittadellarte - Fondazione Pistoletto, einem Zentrum für Kurse, Ausstellungen, Konferenzen und Projekte, das in der ehemaligen Wollweberei Trombetta, einer historischen Fabrik, die heute ein industriearchäologischer Komplex ist, untergebracht ist, verbinden sich Leidenschaft und Kreativität für Wolle und Kaschmir mit zeitgenössischer Kunst. Piazzo ist das antike Herz von Biella, im oberen Teil, mit den mittelalterlichen Gebäuden des Palazzo della Cisterna und der Casa dei Teccio, dem schönen gotischen Säulengang und den eleganten Loggen. Auf der kleinen Piazza San Giacomo fallen die gleichnamige Kirche im romanisch-gotischen Stil und der noble Palazzo Gromo di Ternengo aus dem 16. Jahrhundert, der später im 19. Jahrhundert im neoromantischen Stil umgebaut wurde und auf der Hauptstraße, dem Corso del Piazzo, der antike Palazzo dei Marchesi La Marmora, auf. Mehr erfahren auf www.atl.biella.it

 

Cuneo, das Herz der Provinz „Granda"

Nicht weniger als sechs Täler, die sich zwischen Ligurien und Frankreich auffächern, laufen in der Stadt Cuneo zusammen: Hauptstadt der viertgrößten Provinz Italiens. Auf der von Säulengängen gesäumten Hauptstraße - Via Roma - befinden sich die Kathedrale Santa Maria del Bosco aus dem 17. Jahrhundert mit dem beeindruckenden Altarbild von Andrea Pozzo, die Kirche Santa Chiara mit ihrer geschwungenen Fassade, der Palazzo Audifreddi mit seiner strengen Fassade aus feinem rotem Backstein und die dem Schutzheiligen von Mailand, Sant'Ambrogio, geweihte Kirche, die an die Hilfsbereitschaft einer Gruppe Mailänder Bürger erinnert, die 1230 nach Cuneo eilten, um nach dem heftigen Angriff des Markgrafen von Saluzzo beim Wiederaufbau mit anzupacken. Die Contrada Mondovì mit ihren niedrigen Säulengängen war in der Antike einer der wichtigsten Zugangswege, um die Stadt zu betreten bzw. zu verlassen, indem man den Fluss Gesso überquerte. Hier steht die Synagoge aus dem 15. Jahrhundert, der Dreh- und Angelpunkt des antiken Ghettos, Paläste und Sakralbauten wie die Kirche San Sebastiano, die von der urbanen Entwicklung der Gegend erzählen. Der Schnittpunkt zwischen dem antiken und dem modernen Teil der Stadt ist die Piazza Duccio Galimberti, überraschend groß, umgeben von Geschäften, Restaurants, Läden und Cafés, die die Stadt so attraktiv machen. Mehr erfahren auf www.cuneoholiday.com

 

Novara, ein barockes Juwel zwischen Ebenen und Reisfeldern

Die hoch aufragende Backsteinkuppel der Basilika San Gaudenzio, mit 121 Metern die höchste in Europa, ist die elegante Visitenkarte der Stadt. Novara, eingebettet zwischen den Flüssen Sesia und Ticino, umgeben von Ebenen und Reisfeldern, ist eine Freude zu entdecken. Schlendern Sie durch die mittelalterliche Altstadt, zwischen den Plätzen, die von antiken Arkaden und gepflasterten Straßen umgeben sind: vom frühchristlichen Baptisterium aus dem 4. bis 6. Jahrhundert im Säulengang vor der Kathedrale, zu den Verteidigungsbastionen und dem monumentalen Komplex des Broletto (13. Jahrhundert), zum Castello Visconteo-Sforzesco, ursprünglich ein Turmhaus aus dem 13. Jahrhundert und heute ein wichtiges kulturelles Zentrum. Unmittelbar außerhalb der Stadt führt ein Netz von Routen, zu Fuß oder mit dem Fahrrad, buchstäblich von „riso al Rosa“, zum Beispiel entlang der Treppenkanäle des Cavour-Kanals, dem großen Werk des Wasserbaus, das den Po mit dem Tessin verbindet, zur Villa Picchetta aus dem 16. Jahrhundert in Cameri und zum Castello Sforzesco in Galliate. Entlang der Straßen, die an Reisfeldern und Bewässerungsgräben vorbeiführen, reihen sich Pfarrkirchen und Klosterkomplexe aneinander, wie die schöne Abtei von San Nazario und Celso in San Nazzaro Sesia, bis hin zu den Weinbergen und Weingütern in den Hügeln, in denen die wertvollen DOC-Weine Boca, Fara, Colline Novaresi und Sizzano sowie Ghemme und Ghemme Riserva DOCG, ein seit Plinius dem Älteren bekannter Wein, lagern. Mehr erfahren auf www.turismonovara.it

 

Verbania, die Gärten und Traumvillen am See

Verbania ist bei den ersten Anzeichen des Frühlings mit seiner Blütenpracht das begehrteste Reiseziel. Nicht zufällig als „Garten am See“ bezeichnet, ist die Stadt mit Blick auf den Borromäischen Golf die jüngste regionale Hauptstadt des Piemonts, die 1939 aus der Vereinigung von Intra und Pallanza entstand. Der elegante, internationale Ferienort Verbano Cusio Ossola erstreckt sich von Omegna am Ortasee bis zum Val Formazza, dem nördlichsten Zipfel des Piemonts. Die herrschaftlichen Villen und Parks gehören zu den touristischen Hauptattraktionen, beginnend mit dem Botanischen Garten der Villa Taranto - mit seinen 1.000 Pflanzen und etwa 20.000 Sorten und Arten - und dem terrassenförmig angelegten Park der Villa San Remigio. Dann die Villa Giulia, eine grüne Oase, von der aus man den Isolino di San Giovanni sehen kann: im Besitz der Familie Borromeo, war sie das Lieblings-Sommerziel des Dirigenten Arturo Toscanini. Neben romanischen Bauten wie der Kirche Madonna di Campagna und dem Oratorium San Remigio, einem Monument auf der Spitze des Castagnola-Vorgebirges, dominiert der Barock im historischen Zentrum von Pallanza, im Palazzo Viani Dugnani, heute einer der Sitze des Museo del Paesaggio. Etwas mehr als zehn Kilometer entfernt liegt Stresa: Von seinen Ufern aus hat man einen herrlichen Blick auf den Borromäischen Golf mit dem kleinen Archipel, das von der Isola Madre und der Isola Bella gebildet wird, flankiert von der Isola dei Pescatori. Mehr erfahren auf www.distrettolaghi.it

 

Vercelli, ein antikes Herz an der Via Francigena

Im Mittelalter war Vercelli für Pilger auf dem Weg von Canterbury nach Rom eine obligatorische Station, und auch heute noch ist sie ein wichtiger Knotenpunkt der Via Francigena. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Vercelli zur europäischen Hauptstadt des Reises und zu einem wirtschaftlichen und sozialen „Labor“. Auf der zentrale Piazza Cavour findet sich das Denkmal von Camillo Benso Conte di Cavour, dem ersten Präsidenten des Ministerrats des Königreichs Italien und Schöpfer des Cavour-Kanals, des großen innovativen Bewässerungssystems und des Reisanbaus. Säulengänge mit herrlichen Fresken säumen den Platz, der vom Torre dell'Angelo dominiert wird, einen Turmhaus aus dem 15. Jahrhundert, dessen Überreste an den Komplex aus städtischen und privaten Türmen erinnern, der Vercelli zur einzigen Stadt mit Türmen im Piemont machte. Ein Symbol der Stadt ist die Basilika Sant'Andrea, die 2019 ihr 800-jähriges Bestehen feierte: das bedeutendste Werk des romanisch-gotischen Übergangsstils in Norditalien, deren polychromer Marmor von dekorativen Vorbildern der Zisterzienser inspiriert ist. Unter den einzigartigen Exponaten im Museum des Domschatzes zeugt das „Buch von Vercelli“ - datiert auf das späte 10. Jahrhundert und in altem Angelsächsisch geschrieben - vom europäischen Prestige der Stadt aus vergangenen Jahrhunderten. Bemerkenswert sind das monumentale Kruzifix aus dem Jahr 1000 in der Metropolitan-Kathedrale Sant'Eusebio und die vollständig mit Fresken bemalten Innenräume der Kirche San Cristoforo: die „Sixtinische Kapelle von Vercelli“. Ebenfalls sehenswert sind die Castello Visconteo (Burg) aus dem 13. Jahrhundert und das kuriose Pharmaziemuseum, das zweihundert Jahre Geschichte des Berufsstandes erzählt. Die ehemalige Kirche San Marco, die gekonnt restauriert wurde, beherbergt das Ausstellungszentrum „Arca“, in dem schon wichtige Ausstellungen mit der Guggenheim Foundation organisiert wurden. Mehr erfahren auf www.atlvalsesiavercelli.it